Torben Rosenbohm

Freier Journalist aus Oldenburg

EWE Baskets im Aufwind: Plötzlich winkt die direkte Playoff-Qualifikation

Wenn an diesem Samstag der SYNTAINICS MBC aus Weißenfels als amtierender Pokalsieger in der mutmaßlich zum 39. Mal in Folge ausverkauften EWE Arena vorstellig wird, bietet sich den gastgebenden EWE Baskets Oldenburg die Chance auf den nächsten Schritt in Richtung Playoffplätze. Wer hätte ein solches Szenario in der easyCredit Basketball Bundesliga vor wenigen Wochen noch für möglich gehalten?

Trainer Mladen Drijencic, der im November nach der Beurlaubung von Pedro Calles an die Seitenlinie zurückgekehrt ist, gelang im Kalenderjahr 2025 mit dem Team eine Trendumkehr. Befanden sich die EWE Baskets in der laufenden Saison zunächst konsequent in der unteren Tabellenhälfte, hat sich die Ausgangslage inzwischen klar zum Positiven verändert. Mit 7:3 Siegen aus den vergangenen zehn Spielen ist den Niedersachsen eine Bilanz gelungen, bei der ansonsten nur Ulm und Chemnitz mithalten können und die einzig von Spitzenreiter Bayern München getoppt wird (8:2). Zudem markieren die drei jüngsten Erfolge am Stück die aktuell längste Siegesserie im Ligavergleich.

Wohin kann die Reise nun noch gehen?

Zunächst einmal erscheinen Prognosen in der laufenden Spielzeit mehr als je zuvor mindestens gewagt. Die Liga liegt verblüffend eng beieinander: Chemnitz als Dritter hat nur drei Niederlagen weniger aufzuweisen als Rostock auf dem 14. Platz. Zwischen dem Siebten aus Weißenfels und Rostock liegt nur ein einziger Sieg Unterschied. Das große ALBA BERLIN versteckt sich kleinlaut auf Rang 13.

Wer auf das Klassement schaut und den Trend der EWE Baskets berücksichtigt, darf hoffen: Selbst der Griff nach den Rängen drei und vier (dort liegen aktuell Chemnitz und Heidelberg mit 13:9 Erfolgen) erscheint aus Oldenburger Sicht (12:11) nicht unrealistisch. In die andere Richtung gilt aber auch: Ein Abrutschen ist ebenfalls jederzeit möglich.

Um mindestens die Play-Ins und möglicherweise sogar die direkte Qualifikation für die Playoffs zu erreichen (und damit gleichzeitig die Tür zu einem europäischen Wettbewerb weit aufzustoßen), müssen einige Faktoren zusammenkommen.

Zunächst einmal gilt es, die Heimstärke bis zum Saisonende konsequent durchzuziehen. Vor eigener Kulisse gelangen den EWE Baskets in elf Spielen zehn Siege. Es ist offenkundig, dass die Atmosphäre auf den Rängen und der Auftritt auf bewährtem Terrain entscheidende Kräfte verleiht. Zusätzlich müssen die Oldenburger auswärts regelmäßig so auftreten, wie sie das zuletzt in Ludwigsburg taten. Dort drückten sie mit ihrer aggressiven Verteidigung und ihrer steten Präsenz der Partie ihren Stempel auf und nutzten die aktuell besorgniserregende Situation bei den MHP RIESEN konsequent zu ihren Gunsten aus. In dieser Verfassung dürften weitere Erfolge in fremden Arenen die logische Konsequenz sein.

Beim Personal auf dem Parkett muss weiter an der passenden Minutenverteilung gearbeitet werden, wenngleich die Rollen zuletzt immer klarer verteilt wurden. Gerade Justin Jaworski benötigt Verschnaufpausen; in den vergangenen vier Spielen stand er 40:00, 39:46, 38:21 und 39:04 Minuten auf dem Spielfeld. Seine Wurfquoten gingen dabei kontinuierlich zurück, in Ludwigsburg kam er auf indiskutable 13,3 Prozent (2/15). 27 Ballverluste produzierte er in den vier März-Begegnungen, in denen die eigentlichen Point Guards Geno Crandall und Eli Brooks verletzungsbedingt fehlten. Die Übernahme von Verantwortung im Ballvortrag bekommt ihm nur bedingt.

Zu Crandall, der unter Knie-Problemen leidet, hieß es auf Nachfrage: „Wir hoffen, dass er im Verlauf der Woche grünes Licht für das kommende Spiel erhält.“ Und bei Brooks bestehe nach Club-Angaben die Hoffnung, dass er „in den letzten Spielen der Hauptrunde noch mal eingreifen kann“. Durch die Nachverpflichtung des Australiers Ben Ayre, der seine Klasse bei seinen ersten Einsätzen andeuten konnte, haben die Oldenburger die Voraussetzungen geschaffen, die Personalprobleme bei den Guards zu verkleinern.

Stichwort Nachverpflichtung: Auch der später zum Team gestoßene Center Mouhamed Barro hat sich inzwischen als wertvoll erwiesen, in Ludwigsburg gefiel er nicht nur mit jeweils neun Punkten und Rebounds, sondern auch mit großem Einsatz und erfreulicher Aufmerksamkeit für das Geschehen.

Gegen den MBC winkt nun die Chance, einen weiteren direkten Konkurrenten zu bezwingen. Eben das gelang den Oldenburgern zuletzt gegen Braunschweig, Hamburg und Ludwigsburg. Durchaus im Blick haben sollten die EWE Baskets den direkten Vergleich, allerdings hatten die Weißenfelser den ersten Schlagabtausch deutlich für sich entscheiden können (92:77). Ein grundsätzlich gern gesehener Gast ist der Club aus Sachsen-Anhalt in Oldenburg in der Historie: Von 17 Duellen entschieden die Niedersachsen 16 für sich. Das Hinspiel war übrigens der letzte Auftritt von Pedro Calles an der Seitenlinie: Er wurde einen Tag nach der Schlappe beurlaubt.


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Zu meinem Basketball-Background: Als wenig erfolgreicher Spieler hatte ich lange Zeit großes Interesse am aktiven Tun, allerdings beschränkt sich meine Liebe zu diesem Sport inzwischen auf die Besuche in den Hallen und Arenen und die entsprechende Arbeit an der Tastatur. Von 2004 bis 2014 habe ich die Medien- und Öffentlichkeitsarbeit der EWE Baskets Oldenburg geleitet, seitdem beschäftige ich mich mit dem Club im Speziellen und dem Basketball im Allgemeinen als freier Journalist – unter anderem als redaktioneller Mitarbeiter für die easyCredit Basketball Bundesliga, als gelegentlicher Experte am Mikro bei den EWE Baskets oder in diesem Blog. Was ich sonst noch so mache: hier entlang.