Milenko Bogicevic hat bei den EWE Baskets Oldenburg einen Vertrag bis 2028 unterschrieben. Der Serbe kam während der Vorsaison zum SYNTAINICS MBC und folgt in Oldenburg nun auf Lazar Spasic, der sich zu einem Wechsel nach Aserbaidschan entschieden hat. Im Interview spricht er über seine Vergangenheit an der Seite von Sasa Obradovic, über seine Eindrücke vom neuen Team und über die Herausforderung, die EWE Baskets zurück in die Playoffs der easyCredit Basketball Bundesliga zu führen.
Bevor wir über die aktuelle Situation in Oldenburg sprechen, würde ich gern ein wenig zurückblicken. Ich habe gelesen, dass Sie bereits in sehr jungen Jahren mit dem Trainerjob begonnen haben. Wie sah Ihr Weg in Richtung Basketball und vor allem in Richtung des Trainerjobs aus?
Ich habe meine Trainerkarriere mit 19 Jahren begonnen, also wirklich sehr früh. Eine Spielerkarriere hatte ich ebenfalls, allerdings keine besonders große. (lacht) Das höchste Niveau, auf dem ich gespielt habe, war die Pro-B-Liga in Serbien. Mir war aber schon früh bewusst, dass ich als Spieler keine besonders hohen Ziele erreichen würde. Rückblickend war es gut, dass ich das schon in diesem jungen Alter erkannt und darüber nachgedacht habe, etwas anderes zu beginnen.
Hinzu kamen die Umstände in dem Club, in dem ich als Spieler aufgewachsen bin. Ich war damals bereits Kapitän der Juniorenmannschaft und hatte dadurch eine gewisse Autorität innerhalb des Teams. Zu dieser Zeit wurde einer der Jugendtrainer krank, sodass diese Position vorübergehend frei war. Der Eigentümer des Clubs schlug mir vor, die Aufgabe zu übernehmen. Er wusste, dass ich Basketball verstand und schon in diesem Alter für diesen Sport lebte. Er gab mir schließlich die Möglichkeit, es als Trainer zu versuchen. Von diesem Tag an wusste ich, was ich machen wollte: Trainer werden. Danach entwickelte sich alles langsam und Schritt für Schritt. Ich glaube, dass das gut war, denn es verlief nicht überstürzt.
Haben Sie diesen Entschluss jemals bereut?
Nein, niemals. Ich habe danach zwar noch bis zu meinem 22. oder 23. Lebensjahr in der dritten Liga gespielt und weiterhin versucht, der Mannschaft zu helfen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich aber längst dafür entschieden, Trainer zu werden, auch wenn ich parallel noch als Spieler aktiv war.
Sie haben eine besondere Verbindung zu Sasa Obradovic und viele Jahre mit ihm zusammengearbeitet. Was haben Sie von ihm gelernt? Und vor allem: Was zeichnet ihn aus, schließlich ist er – im positiven Sinne – ein besonderer Typ Trainer.
Ganz sicher verdanke ich Sasa sehr viel von dem, was ich in meiner Karriere erreicht habe. Zunächst einmal gab er mir die Chance, auf höchstem Niveau zu arbeiten. Er machte mich zum Assistenztrainer und unterstützte mich später auch auf meinem Weg zum Headcoach. Er erkannte, dass ich die entsprechenden Qualitäten besaß, und arbeitete mit mir gezielt an bestimmten Dingen. Wir haben ein beinahe familiäres Verhältnis, das ist für mich von großem Wert.
Und zu ihm als Person: Sasa ist zunächst einmal ein großartiger Mensch. Von ihm habe ich gelernt, dass man ein guter Mensch und gegenüber den Spielern sowie allen anderen Menschen in seinem Umfeld ehrlich sein muss. Das habe ich ganz sicher von ihm übernommen. Außerdem ist er ein Mensch mit enorm viel Energie. Auch das habe ich von ihm mitgenommen. Wenn du möchtest, dass deine Mannschaft mit viel Energie spielt, musst du als Trainer ebenfalls Energie ausstrahlen. Natürlich hat mich auch seine Basketballphilosophie beeinflusst: Seine Mannschaften sollen physisch und an beiden Enden des Feldes intensiv spielen. Selbstverständlich entwickelt jeder Trainer mit der Zeit seine eigene Philosophie und seine eigenen Vorstellungen. Dennoch habe ich sehr viel von ihm übernommen. Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich die Gelegenheit hatte, mit einem solchen Menschen und Trainer zusammenzuarbeiten.
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An der Seite von Sasa hatten Sie bei ALBA BERLIN Ihren ersten Kontakt zur Bundesliga. Das liegt inzwischen einige Jahre zurück, zuletzt haben Sie wieder in Weißenfels gearbeitet. Wie beurteilen Sie die Entwicklung der Liga?
Ich habe bereits in mehreren Interviews gesagt, dass es mein Traum war, in die BBL zurückzukehren. Mir gefällt die Art und Weise, wie in dieser Liga Basketball gespielt wird. Mir gefällt, wie die Mannschaften auftreten, wie die gesamte Liga organisiert ist und wie das komplette System funktioniert. Die Hallen sind fast immer voll. Dabei spielt es keine Rolle, ob eine kleinere Mannschaft gegen eines der besten Teams antritt. Die Fans sorgen überall für eine gute Atmosphäre. Ich möchte nicht einfach nur von einer freundlichen Atmosphäre sprechen, aber ich habe schon während meiner Zeit in Weißenfels gesagt, dass ich mich in der BBL wirklich als Sportler wahrgenommen und wertgeschätzt fühle. Sehr vieles ist hier ausgesprochen gut. Ich habe mehrere Jahre bei ALBA und außerdem einige Monate gemeinsam mit Gordon Herbert in Frankfurt verbracht. Ich habe immer versucht, wieder einen Weg in die BBL zu finden. Schließlich gelang mir das über Weißenfels und nun bin ich hier in Oldenburg. Die Liga beeindruckt mich sehr.
Meiner Ansicht nach hat sie sich in jedem Jahr weiterentwickelt. Auch während meiner Zeit in Frankreich, Russland oder anderen Ländern habe ich die BBL immer verfolgt. Viele Trainer haben die Liga auf ihre Weise geprägt. Ich erinnere mich beispielsweise an Svetislav Pesic und Dirk Bauermann, später an Chris Fleming. Pesic hat vielleicht bestimmte defensive Elemente und eine besondere Härte eingebracht, Fleming unter anderem das Umschaltspiel. Danach kam beispielsweise Tuomas Iisalo mit einer Art von Basketball, die heute als sehr modern gilt. Auch Aito hat die Liga stark beeinflusst. Entscheidend ist: In fast jeder Saison bringen Trainer neue Ideen ein. Das ist eine großartige Entwicklung.
Nun beginnt für Sie in Oldenburg ein neues Kapitel. Was wussten Sie über den Club und die Situation hier, bevor Sie angekommen sind?
Wie gesagt: Ich habe die Entwicklungen in der BBL immer verfolgt. Außerdem bin ich seit vielen Jahren mit Srdjan Klaric verbunden. Wir haben uns regelmäßig ausgetauscht und Informationen geteilt, beispielsweise wenn ich in anderen Ligen eine Mannschaft zusammengestellt habe. Den Club kenne ich auch noch aus meiner Zeit bei ALBA. In dieser Phase gewann Oldenburg den Pokal. Das Finalturnier fand hier in Oldenburg statt, und wir spielten ebenfalls das Halbfinale. Außerdem wusste ich natürlich, dass Oldenburg Deutscher Meister geworden war. Mir war daher bewusst, dass dieser Club eine große Geschichte und Tradition besitzt und bedeutende Erfolge gefeiert hat.
Später habe ich mich noch intensiver informiert und mich mit Srdjan über die Bedingungen hier und das Nachwuchsprogramm ausgetauscht. Dieser Bereich ist mir sehr wichtig. Ich selbst bin in einem Club groß geworden, in dem großer Wert auf die Jugendmannschaften gelegt wurde. Dort begann auch meine Laufbahn als junger Trainer. Wenn ich höre, dass ein Club viel Wert auf seine Nachwuchskultur legt, ist das für mich ein großes Plus.
Ich wusste also bereits sehr viel über den Club, über die Leidenschaft der Menschen innerhalb und im Umfeld der Organisation sowie über die Fans. Die EWE Baskets repräsentieren die Stadt Oldenburg. Ich bin sehr glücklich darüber, nun ein Teil dieses Systems sein zu dürfen.

Ist es für Sie eine zusätzliche Motivation, den Club möglichst wieder in die Position zu bringen, in der er sich vor einigen Jahren befunden hat? Die vergangenen fünf Jahre waren schließlich insgesamt nicht so erfolgreich wie die Jahre zuvor.
Das ist für mich ganz sicher eine große Herausforderung. Es gehört zu den Zielen, die wir alle gemeinsam erreichen wollen. Wir möchten unser Bestes geben, um den Club wieder dorthin zu bringen. Uns ist allerdings bewusst, dass das nicht über Nacht gelingen kann. Es handelt sich um einen Prozess. Wir haben eine neue Mannschaft und den Kader auf vielen Positionen verändert. Was mich sehr glücklich macht: Alle Beteiligten wollen dasselbe. Wir haben die gleiche Energie und verfolgen die gleichen Ziele.
Wie gesagt, es ist ein längerer Prozess. Wir wollen nichts überstürzen. Ich persönlich werde diesem Druck nicht ausweichen, sondern mich ihm stellen. Auch die Spieler wissen, welche Erwartungen bestehen. Wir gehen Schritt für Schritt vor und werden alles dafür tun, unsere Ziele zu erreichen und den Club wieder in eine bessere Position zu bringen.
Auf welche wesentlichen Eigenschaften haben Sie bei der Suche nach Spielern im Sommer geachtet? Welcher Typ Profi passt am ehesten zu Ihrer Mannschaft?
Ich wollte vor allem Spieler mit einem guten Charakter verpflichten, die eine bestimmte Energie und großen Kampfgeist mitbringen. Natürlich können wir immer über Taktik, Offensive und Defensive sprechen. Wir können darüber reden, ob wir schön oder besonders physisch spielen wollen. Doch an erster Stelle steht für mich immer der Charakter eines Spielers.
Ich glaube, dass es uns gelungen ist, eine Mannschaft mit genau diesem Charakter zusammenzustellen. Das hat sie bereits in einigen Vorbereitungsspielen gezeigt. Vielleicht spielen wir zu diesem Zeitpunkt noch keinen besonders schönen Basketball, was in dieser Phase völlig normal ist. Wir haben aber schon einen bestimmten Charakter und eine gewisse Härte erkennen lassen.
Ich hoffe, dass wir gesund bleiben und diesen Weg fortsetzen können. Diese Eigenschaften bilden für mich eine gute Grundlage, auf der wir eine Mannschaft aufbauen können. Anschließend müssen selbstverständlich noch viele weitere Teile und Puzzlestücke zusammengefügt werden. Aber auf diese Weise habe ich versucht, dieses Team zusammenzustellen.
Sie sind als neuer Trainer nach Oldenburg gekommen. War es für Sie vielleicht sogar von Vorteil, dass 80 Prozent der Mannschaft ausgetauscht wurden? Einfach ist ein solch großer Umbruch schließlich nicht.
Nein, einfach ist es nicht. Aber ich beschwere mich darüber überhaupt nicht. Natürlich ist es hilfreich, dass wir mit Seth Hinrichs einen Kapitän haben, der den Club und das gesamte System bereits kennt. Er ist ein sehr wichtiges Puzzlestück. Er kann den neuen Spielern viel über die Liga, den Club und das gesamte Umfeld erklären.
Sicherlich wäre es ebenfalls gut gewesen, wenn wir einen größeren Kern oder eine breitere Basis aus der vergangenen Saison hätten behalten können. Ich bedaure aber keineswegs, wie wir vorgegangen sind. Ich glaube, dass wir gute Menschen in unserer Mannschaft haben: Spieler, die Energie mitbringen, jung sind und frisch wirken. Ich spüre innerhalb der Gruppe genau jene Energie, die ich haben wollte. Deshalb hoffe ich, dass am Ende alles gut zusammenpassen wird.
Sie waren selbst viele Jahre als Assistenztrainer tätig. Welche Bedeutung haben deshalb in Ihrer täglichen Arbeit Menschen wie Franjo Borchers und Max DiLeo?
Sie sind ausgesprochen wichtig. Gerade weil ich viele Jahre mit Sasa Obradovic gearbeitet habe, aber auch bei einer Nationalmannschaft tätig war und selbst lange Assistenztrainer gewesen bin, weiß ich, wie anspruchsvoll und wichtig diese Aufgabe ist.
In diesem Zusammenhang muss ich auch Sašo Filipovski erwähnen, der heute Trainer in Würzburg ist. Wir haben in Monaco zusammengearbeitet, und auch er hat mir bei einigen Dingen sehr geholfen. Ich weiß daher genau, wie schwierig der Job eines Assistenztrainers ist und welchen Wert er für eine Mannschaft hat.
Ich bin sehr glücklich darüber, dass Max und Franjo hier an meiner Seite sind. Die Verbindung zwischen uns muss eng sein. Ich bezeichne sie nicht besonders gern lediglich als meine Assistenten. Für mich sind sie meine Kollegen. Sie haben jedes Recht, sich in sämtliche taktischen Fragen und in die Gestaltung jedes Trainings einzubringen. Sie dürfen eine Übung jederzeit unterbrechen und ihre Meinung äußern. Unser Nationaltrainer hat einmal einen Satz gesagt, der mir sehr gefällt. Da ich selbst Teil dieses Trainerstabs bin, kenne ich seine Haltung genau: Er möchte nicht, dass innerhalb seines Stabs immer alle derselben Meinung sind. Ich halte es ebenfalls für sehr wichtig, dass meine Kollegen mit anderen Ideen und unterschiedlichen Auffassungen über Basketball zu mir kommen. Nur auf diese Weise können wir erfolgreich sein. Deshalb bin ich froh darüber, dass sie regelmäßig sehr gute Vorschläge einbringen.
Franjo verfügt bereits über viel Wissen und Erfahrung in der BBL. Max kann mir besonders viel aus der Perspektive eines Spielers vermitteln. Das ist für mich ausgesprochen wertvoll. Die beiden ergänzen sich sehr gut und sind großartige Menschen. Ich möchte auch innerhalb des Trainerstabs eine beinahe familiäre Atmosphäre schaffen. Wir sollen nicht nur Kollegen sein, sondern ein freundschaftliches Verhältnis entwickeln. Ich glaube, dass dies ein Schlüssel dafür ist, als Trainerteam erfolgreich zu arbeiten.

Sie haben gerade erwähnt, dass Sie weiterhin zum serbischen Nationalmannschaftsstab gehören. In diesem Sommer beziehungsweise während des letzten Fensters hat es dabei aber eine Veränderung gegeben, richtig?
Das betraf lediglich das Zeitfenster im August. Die Vorbereitung ist für uns im Club eine besonders sensible und wichtige Phase. In dieser Zeit muss ich bei meiner Mannschaft sein. Das ist völlig normal. Beim Fenster im Juni war ich noch dabei, im August hat sich die Situation geändert. Nun müssen wir abwarten, wie es in Zukunft weitergeht.
Sie sind inzwischen einige Wochen in Oldenburg. Welche Eindrücke haben Sie vom Club gewonnen? Und hatten Sie schon etwas Zeit, die Stadt zu entdecken?
Was den Club betrifft, fühle ich mich hier wirklich wie zu Hause. Das ist für mich ausgesprochen wichtig. Meine Familie lebt natürlich weiterhin in Belgrad. Ich bin ein emotionaler und sehr energiegeladener Mensch. Deshalb ist es für mich ein großer Vorteil, wenn ich spüre, dass die Menschen um mich herum alles für den Club geben und dieser Ort für mich zu einem zweiten Zuhause werden kann. Genau dieses Gefühl habe ich hier. Schon wenn ich mit dem Auto durch das erste Tor auf das Clubgelände fahre, spüre ich, dass die Menschen hier für diesen Club leben. Das bedeutet mir sehr viel. Ich bin allen Menschen hier dafür wirklich dankbar.
Von der Stadt habe ich ebenfalls schon etwas gesehen. Ich hatte ein wenig Zeit, herumzulaufen und Oldenburg kennenzulernen. Es ist eine sehr schöne Stadt. Ich finde hier alles, was ich brauche. Für mich ist alles perfekt.
Lassen Sie uns noch kurz über das Trainingslager sprechen. Ich habe darüber ausschließlich Gutes gehört. Die Ergebnisse stehen in dieser Phase bekanntlich noch nicht so wichtig. Wie haben Sie das Trainingslager erlebt?
Für mich ist entscheidend, dass wir Schritt für Schritt vorankommen. Die Spieler haben sich sehr gut verhalten und im Training engagiert gearbeitet. Wir haben in Zlatibor drei wertvolle Vorbereitungsspiele absolviert. Dabei trafen wir auf Mannschaften aus der Adriatischen Liga, die einen ausgesprochen physischen Basketball spielen. Dort spielen viele große und kräftige Akteure. Wir haben das hohe Niveau an Körperkontakt zu spüren bekommen. In dieser Hinsicht unterscheidet sich der dortige Basketball teilweise von der BBL.
Im zweiten Spiel haben wir darauf nicht gut reagiert. Vielleicht war das für uns gerade deshalb eine entscheidende Partie. Wir haben gesehen, wie wir nicht spielen dürfen. Anschließend zeigte die Mannschaft eine sehr gute Reaktion. Das gehört zum Aufbauprozess.
Auch in den beiden abschließenden Spielen gegen Hamburg haben wir gut reagiert. Natürlich besitzen wir noch sehr viel Luft nach oben und können unser Spiel in zahlreichen Bereichen verbessern. Ich mag es allerdings auch nicht unbedingt, wenn sich alles zu schnell und scheinbar problemlos entwickelt. Wir wollen Schritt für Schritt vorgehen. Ich hoffe, dass wir zum richtigen Zeitpunkt bereit sein werden.
Ich sah einen kurzen Videoclip von einem Korbleger von Nico im zweiten Test in Zlatibor, bei dem er von seinem Gegenspieler regelrecht abgeräumt wurde. Das ganze Spiel sei praktisch in dieser Form verlaufen …
Das stimmt. Ich bin sehr froh darüber, dass wir diese Erfahrung machen konnten. Unsere Mannschaft musste lernen, wie man mit einem solchen Basketball umgeht. Ich kenne die Spieler und diese Mentalität in Serbien sehr gut, schließlich habe ich dort selbst als Trainer gearbeitet. Ich weiß, wie wir die Kinder ausbilden. Schon in jungen Jahren lernen sie, wie sie bestimmte Situationen ausnutzen, wie sie ein Foul annehmen oder auch einmal fallen müssen und wie diese Art von Basketball gespielt wird. Ich habe selbst drei Kinder und versuche ebenfalls, ihnen diese Facetten des Basketballs zu vermitteln. (lacht) Deshalb waren diese Spiele für uns ausgesprochen hilfreich.
Wie Sie vorhin schon gesagt haben, besitzt jeder Trainer seine eigene Philosophie. Gleichzeitig hört man immer wieder sehr ähnliche Beschreibungen. Auch über die Oldenburger Spielidee habe ich gelesen: Alle wollen gut verteidigen, schnell umschalten und möglichst zügig punkten. Wo bleibt da noch Raum für Überraschungen? Wie kann eine Mannschaft oder ein Trainer im modernen Basketball den Gegner überraschen?
Wenn wir über eine stabile Basis verfügen und unsere grundlegenden Aufgaben erfüllen, können wir den Gegner immer noch überraschen. Wir wollen natürlich gut verteidigen und anschließend schnell spielen. Die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, müssen wir nutzen. Ich mag schnellen Basketball, allerdings muss er kontrolliert sein. Das entspricht eher einem europäischen beziehungsweise einem EuroLeague-Stil. Ich glaube weiterhin, dass dies der richtige Weg ist.
Natürlich kann man den Gegner taktisch überraschen. Allerdings gibt es im modernen Basketball sehr ausführliche Scoutingberichte, und beinahe sämtliche Informationen sind verfügbar. Trotzdem können verschiedene taktische Varianten für Überraschungen sorgen.
Die Grundlagen müssen aber die Grundlagen und der Kern muss der Kern bleiben. Jeder Trainer besitzt bestimmte Ideen und spezielle Spielzüge für einzelne Situationen. Das Schöne an unserem Beruf ist, dass wir damit einen Gegner immer wieder überraschen können. Entscheidend bleibt jedoch eine stabile Basis.
Welche wesentlichen Dinge muss Ihre Mannschaft auf dem Feld beachten und zeigen, damit Sie sich nach einem Spiel zurücklehnen und sagen können: Das ist mein Stil, genau so möchte ich Basketball spielen lassen?
Wir wollen als Mannschaft spielen. Wir wollen immer mit sehr viel Energie auftreten, uns gegenseitig unterstützen und gemeinsam um jeden Millimeter auf dem Feld kämpfen. Wenn wir diese Dinge zeigen, können wir mit einer Leistung unter Umständen sogar nach einer Niederlage zufrieden sein. Natürlich werden wir an manchen Tagen gut und an anderen Tagen schlecht werfen. Das gehört zum Basketball. Wir dürfen aber niemals zulassen, dass uns der Gegner mit seiner Physis, seiner Energie oder seinem Charakter übertrifft. Genau diese Haltung möchte ich in jedem Spiel sehen. Selbstverständlich wird es Niederlagen und schlechte Spiele geben. In den genannten Bereichen müssen wir jedoch immer dasselbe Niveau erreichen.

Sie haben momentan sicherlich genug damit zu tun, Ihre eigene Mannschaft auf die Pflichtspiele vorzubereiten. Wie intensiv beobachten und analysieren Sie trotzdem, was die anderen Teams während des Sommers machen?
Natürlich verfolgen wir die Entwicklungen. Gleichzeitig ist es hilfreich, dass ich die BBL kenne und weiß, welche Voraussetzungen eine Mannschaft in dieser Liga erfüllen muss. Viele Clubs versuchen, ihre Kader nach ähnlichen Kriterien zusammenzustellen. Das betrifft beispielsweise die Körpergröße, die Besetzung der einzelnen Positionen und die grundsätzliche Physis. Außerdem benötigen alle Mannschaften Spieler, die von außen werfen können.
In dieser Liga wird sehr schnell gespielt. Deshalb braucht man Guards, die in einem solchen Umschaltspiel bestehen können. Wir haben uns während der Vorbereitung trotzdem nicht zu stark darauf konzentriert, was die anderen Mannschaften machen. Natürlich beobachten wir alles, unser Schwerpunkt liegt momentan aber auf uns selbst. Sobald die Saison beginnt, werden wir uns im Rahmen des Scoutings intensiver mit unseren jeweiligen Gegnern beschäftigen.
Die EWE Baskets treten in dieser Saison „nur“ in der Bundesliga und im Pokal an. Wie wichtig wäre es Ihnen, Oldenburg zurück auf die internationale Bühne zu führen?
Das ist sehr wichtig. Während wir den Kader zusammengestellt und mit Spielern gesprochen haben, fragten mich viele von ihnen: „Coach, in welchen Wettbewerben spielen wir?“
Fast jeder Spieler möchte in zwei Wettbewerben antreten. Das ist völlig normal. Auch wir müssen darum kämpfen, wieder international vertreten zu sein. Im Augenblick ist die Situation allerdings so, wie sie ist. In unseren Köpfen und bei der Definition unserer Ziele sind wir uns vollkommen darüber im Klaren, dass wir uns wieder für einen weiteren Wettbewerb qualifizieren wollen. Das wäre für den Club und die Mannschaft sehr gut. Nun müssen wir abwarten, wie die Saison verläuft. Wir werden alles dafür tun.
In welchen Bereichen besitzt die Mannschaft derzeit das größte Verbesserungspotenzial? Ich habe das Team beim EWE Baskets Day gesehen und bereits viele gute Dinge erkannt.
Ich glaube, dass wir vor allem offensiv noch deutlich besser werden können. Unser Spiel kann wesentlich flüssiger werden. Die Spieler müssen noch ein besseres Gefühl füreinander entwickeln und lernen, sich untereinander noch besser zu verstehen. Dadurch können wir auch die Zahl unserer Ballverluste reduzieren. Ich möchte meinen Spielern Selbstvertrauen geben. Einige von ihnen treffen momentan noch nicht immer die besten Entscheidungen. Das geschieht jedoch aus einer positiven Absicht heraus: Sie versuchen, einander einzubeziehen und ihre Mitspieler in gute Situationen zu bringen, damit sich jeder als wichtiger Bestandteil der Mannschaft fühlt. Einige Spieler werden noch produktiver werden, sobald sie häufiger zu ihren Würfen kommen und wieder jene Dinge machen, die sie bereits in der Vergangenheit ausgezeichnet haben. In diesem Bereich sehe ich für uns noch ein großes Verbesserungspotenzial.
Wie schwer wiegt momentan die Verletzung von Le’Tre Darthard? Wie werden Sie damit umgehen? Es ist kein Geheimnis, dass nach einer personellen Ergänzung gesucht wird.
Zunächst einmal tut es mir bei jedem Spieler sehr leid, wenn er sich verletzt. Ich möchte eigentlich keinen Einzelnen besonders hervorheben. Über Le’Tre muss ich aber sagen, dass er von Beginn der Vorbereitung an ausgesprochen schnell alles aufgenommen hat. Er war sehr positiv und hat uns eine Dimension gegeben, die uns in dieser Form momentan fehlt. Er kann beispielsweise aus der Bewegung nach Blöcken werfen und einige weitere Dinge machen, die für unser Spiel wichtig sind. Deshalb tut mir seine Verletzung wirklich sehr leid.
Ich bin allerdings froh darüber, dass er mental positiv bleibt. Außerdem hat sich herausgestellt, dass die Verletzung weniger schwerwiegend ist, als wir im ersten Moment befürchtet hatten. Das ist eine sehr positive Nachricht. Ich bin sicher, dass er noch stärker zurückkehren wird. Wir sind ein seriöser Club mit professionellen Strukturen. Deshalb müssen wir auf diese Situation reagieren. Wir haben bereits einige Vorstellungen davon, was wir tun können. Auch daran zeigt sich, dass wir gut aufgestellt sind. Wir müssen den Kader nun vorübergehend ergänzen. Allerdings bleibt abzuwarten, welche Möglichkeiten sich auf dem Markt ergeben.
Ich habe vor einigen Wochen mit Ihrem Assistenztrainer Franjo gesprochen und ihn nach den Saisonzielen gefragt. Er sagte, eine Mannschaft benötige Ziele, aber bestimmte Ziele müssten innerhalb des Teams bleiben. Sind Sie ein Freund davon, öffentlich ein klares Ziel zu formulieren? Und wie würde dieses Ziel lauten?
Letztlich erwarten alle, dass wir die Playoffs erreichen. Wie gesagt: Vor dieser Erwartung möchte ich nicht davonlaufen. Natürlich müssen die Menschen auch realistisch bleiben. Das sind sie nicht immer, aber auch damit habe ich kein Problem. Ich bin ein Mensch, der Herausforderungen mag. Ich habe keine Angst davor und fürchte auch diesen Druck nicht. Ich bin froh darüber, dass wir uns Schritt für Schritt entwickeln. Auch die Menschen in unserem Umfeld müssen verstehen, dass man nicht auf einmal drei Stufen überspringen kann. Aber selbstverständlich wollen wir alle die EWE Baskets auf die eine oder andere Weise in den Playoffs sehen. Wir werden alles dafür tun.
Das wird allerdings immer schwieriger. Natürlich gibt es weiterhin die Mannschaften, die in diesem Zusammenhang stets genannt werden müssen. Daneben entwickeln sich aber weitere Clubs immer stärker.
Genau deshalb sage ich, dass die Menschen die Situation realistisch und objektiv betrachten müssen. Viele Clubs investieren inzwischen mehr Geld und stellen starke Kader zusammen. Ich möchte dabei gar nicht zu sehr ins Detail gehen oder darüber sprechen, wie hoch die Etats der anderen Clubs sind. Es ist allerdings deutlich zu erkennen, dass viele Mannschaften große Anstrengungen unternehmen, um ebenfalls die Playoffs zu erreichen. Das ist für uns kein Problem. Ich glaube, dass wir eine konkurrenzfähige Mannschaft besitzen, die den nötigen Basketball spielen und mit den anderen Clubs mithalten kann. Dabei spreche ich nicht nur von den drei oder vier bestplatzierten Teams. Gerade deshalb habe ich keine Angst vor der Aufgabe. Wir besitzen eine Chance. Natürlich müssen dafür viele Dinge zusammenpassen. Ich bin aber sehr positiv gestimmt und habe großes Vertrauen in die Gruppe von Menschen, die wir in dieser Mannschaft zusammengebracht haben.
(Transparenzhinweis: Das Gespräch, das ich im Club Center mit Milenko Bogicevic geführt habe, wurde per Software transkribiert und unter Zuhilfenahme von KI aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt)
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Zu meinem Basketball-Background: Als wenig erfolgreicher Spieler hatte ich lange Zeit großes Interesse am aktiven Tun, allerdings beschränkt sich meine Liebe zu diesem Sport inzwischen auf die Besuche in den Hallen und Arenen und die entsprechende Arbeit an der Tastatur. Von 2004 bis 2014 habe ich die Medien- und Öffentlichkeitsarbeit der EWE Baskets Oldenburg geleitet, seitdem beschäftige ich mich mit dem Club im Speziellen und dem Basketball im Allgemeinen als freier Journalist – unter anderem als redaktioneller Mitarbeiter für die easyCredit Basketball Bundesliga, die Nordwest-Zeitung oder als gelegentlicher Experte am Mikro bei den EWE Baskets oder in diesem Blog. Für die Dauer der Saison 2025/26 bin ich als PR Manager (in Teilzeit) vorübergehend zum Club zurückgekehrt. Was ich sonst noch so mache: hier entlang.