Torben Rosenbohm

Freier Journalist und Autor aus Oldenburg

EWE Baskets Oldenburg: Offene Fragen nach dem Bilderbuchstart

Vier Pflichtspiele, vier Siege. Wer den EWE Baskets Oldenburg (Foto oben: Mathis Kirchner) vor dem Start in die Saison 2026/27 eine solche Auftaktbilanz prognostiziert hätte, wäre mutmaßlich mindestens verwundert angeschaut worden. Irgendwo zwischen Pessimismus und Skepsis durfte schließlich die grundsätzliche Stimmung rund um den Club aus der easyCredit Basketball Bundesliga nach den Erfahrungen der vergangenen Spielzeiten verortet werden.

Nicht einmal einen Monat nach dem ersten Tipoff hat sich die allgemeine Gemütslage verschoben – in Richtung Erstaunen und Optimismus. Erstaunlich ist der Saisonstart allemal. Nach dem Sieg in Heidelberg in der ersten Runde des Netto BBL Pokals legten die Schützlinge des neuen Trainers Milenko Bogicevic in der Liga direkt nach, gewannen zum Start gegen den SYNTAINICS MBC, brachten die Punkte aus Würzburg mit und bezwangen zuletzt in spektakulärer Manier den neuen Lieblingsgegner aus Hamburg. Die Hansestädter hatten sich zuvor bereits in zwei Vorbereitungsspielen geschlagen geben müssen, nun folgte das 75:74 nach einem irrwitzigen Comeback nach einem 26-Punkte-Rückstand.

6:0 Punkte, Tabellenplatz eins vor dem vierten Spieltag: erstaunlich eben.

Optimistisch wiederum stimmen nicht nur die bisherigen Eindrücke vom Team, sondern auch die Tatsache, dass zwei Akteure noch gar nicht haben mitwirken können. Le’Tre Darthard kämpft sich nach einer Verletzung gerade zurück, der im September verpflichtete serbische Nationalspieler Stefan Momirov wiederum, nach einer langen Visum-Wartezeit inzwischen endlich in Oldenburg angekommen, steht vor seinem Debüt. Auch der gegen Hamburg verletzt pausierende Nate Johnson kehrt aus Sicht der Niedersachsen hoffentlich rasch wieder ins Team zurück. Das wäre insbesondere für jene eine gute Nachricht, die zuletzt ein deutliches Plus an Minuten abspulen und dabei bis an die Schmerzgrenze (und darüber hinaus) gehen mussten.

Die Aussichten, nach einigen Jahren der Trübnis in einer gerade im Mittelfeld immer breiter werdenden Liga wieder um die attraktiven Plätze mitstreiten zu dürfen, sind aktuell nicht die schlechtesten.

Angesichts des frühen Zeitpunkts der neuen Saison gilt es nun, seriös zu bleiben. Eine allzu frühe Festlegung darauf, dass die EWE Baskets nun wieder zu den sicheren Playoff-Aspiranten zählen, wäre nicht statthaft. Das spürbare Wir-Gefühl in der Mannschaft, die prächtige und deutlich wahrnehmbare gute Laune, die Freude am gemeinsamen Tun – all das wird naturgemäß durch Siege geweckt und gefördert. Der mögliche Ernstfall steht der Mannschaft dann bevor, wenn auch mal mehrere Spiele am Stück nicht wunschgemäß verlaufen und verlorengehen. Der wahre Charakter eines Teams erweist sich bekanntlich insbesondere in kritischen Momenten. Die gab es bis dato nur minutenweise – und sie wurden entschlossen positiv beantwortet.

Fragezeichen gibt es zudem rund um die Personalie Ja’Qualyn Gilbreath. Gewiss sollte nicht der Fehler begangen werden, ihn schon jetzt sicher als zukünftigen Ex-Spieler zu definieren. Dem Neuzugang, der zuvor in der Schweiz überaus erfolgreich tätig war, sich dort als echter Scorer mit Distanzwurf-Qualitäten hervortat und 2025 sogar zum Finals-MVP gewählt wurde, ist es noch nicht gelungen, seine Rolle im Team zu finden. Selbst in den beiden vergangenen Spielen, als die Personalnot zu erheblichem Umfang angewachsen war, kam der Guard nicht über schmale 09:08 respektive 06:30 Minuten hinaus. Alleine das zeigt auf, wie problematisch die Lage für den 28-Jährigen ist, der in der Offseason zu den frühen Verpflichtungen zählte.

Die nächste Aufgabe für die Oldenburger ist eine knifflige. Am Sonntag gastieren sie beim FC Bayern Basketball, der angesichts seines riesigen Kaders voller individueller Klasse in der Liga das Maß aller Dinge darstellt. Die Süddeutschen, seit dieser Saison von Anton Gavel gecoacht, verpassten Pokalsieger Bamberg (der allerdings personell mit den Titelgewinnern kaum mehr etwas gemein hat) und Meister Berlin (der allerdings personell arg geschwächt war) jeweils eine schmerzhafte Abreibung. Tabellenführer Oldenburg kommt da gerade recht, um direkt nachzulegen und sich den Platz vor allen anderen selbst zu sichern.

Abschenken wird Bogicevic die komplizierte Auswärtsaufgabe sicherlich nicht, das würde zu seiner Einstellung überhaupt nicht passen. Wer nun aber den EWE Baskets nach diesem Sonntag eine Bilanz von fünf Pflichtspielen und fünf Siegen prognostiziert, wird trotz des bislang exzellenten Eindrucks wohl wieder verwundert angeschaut.


Der Beitrag hat dir gefallen? Das würde mich freuen. Verbesserungsvorschläge kannst du per E-Mail an mich senden.

Wer sich mit einem kleinen Betrag finanziell beteiligen und mich bei der Weiterentwicklung dieser Seite finanziell unterstützen möchte, kann das unter diesem Link per PayPal tun (öffnet den Link bei technischen Problemen einfach im Browser). Danke für das Interesse an meinem Blog!

Wenn du nichts mehr verpassen möchtest, folge mir auf Instagram oder auf WhatsApp

Zu meinem Basketball-Background: Als wenig erfolgreicher Spieler hatte ich lange Zeit großes Interesse am aktiven Tun, allerdings beschränkt sich meine Liebe zu diesem Sport inzwischen auf die Besuche in den Hallen und Arenen und die entsprechende Arbeit an der Tastatur. Von 2004 bis 2014 habe ich die Medien- und Öffentlichkeitsarbeit der EWE Baskets Oldenburg geleitet, seitdem beschäftige ich mich mit dem Club im Speziellen und dem Basketball im Allgemeinen als freier Journalist – unter anderem als redaktioneller Mitarbeiter für die easyCredit Basketball Bundesliga, die Nordwest-Zeitung oder als gelegentlicher Experte am Mikro bei den EWE Baskets oder in diesem Blog. Für die Dauer der Saison 2025/26 bin ich als PR Manager (in Teilzeit) vorübergehend zum Club zurückgekehrt. Was ich sonst noch so mache: hier entlang.