Torben Rosenbohm

Freier Journalist aus Oldenburg

Neues Gesicht in Oldenburg: Len Schoormann über Tennis, NBA und „angenehmen Druck“

Len Schoormann ist in der Mannschaft der EWE Baskets Oldenburg der einzige Spieler mit deutschem Pass, der im Sommer neu für die Saison 2023/2024 in der Basketball Bundesliga verpflichtet wurde. Der Club aus Niedersachsen ist nach den FRAPORT SKYLINERS und zuletzt den Veolia Towers Hamburg die dritte BBL-Station des 21-Jährigen, der auch schon zum Kader der A-Nationalmannschaft zählte. Im Club Center stand er mir nach den ersten Trainingseinheiten Rede und Antwort zu seiner Vergangenheit, seinen Zielen in Oldenburg und den Erwartungen an das deutsche Team bei der bevorstehenden Weltmeisterschaft.

Len, lass und zunächst einmal ein paar Wikipedia-Behauptungen über dich checken. Du hast tatsächlich erst Tennis gespielt? Falls es stimmt: Warum hast du damit wieder aufgehört?

(lacht) Ganz so viel gibt es darüber gar nicht zu sagen. Aber es stimmt, mit Tennis habe ich tatsächlich vor allem anderen angefangen. Ich bin durch meinen Opa dazu gekommen. Zur damaligen Zeit war das in meinen Augen die große Sportart. Mit sechs Jahren kam dann Basketball dazu, und als ich bei beidem im Kader gelandet bin, musste ich mich entscheiden. Basketball ist ein Teamsport und kam mir cooler vor – also bin ich dabei geblieben. Tennis habe ich dann vollkommen sein lassen.

Nicht mal mehr zum Spaß zwischendurch?

Ich würde gerne mal wieder einfach so ein bisschen spielen, aber bisher kam es noch nicht wieder dazu.

Ebenso lesen wir dort: Du bist über eine Grundschul-AG zum Basketball gekommen. Das ist der Traum aller Club-Strategen, die sich um diese Altersklasse bemühen. Welchen Einfluss hatte dieser Start auf dich?

In Kontakt gekommen bin ich mit Basketball auch schon davor, beispielsweise über einen US-Amerikaner, der in der Nachbarschaft lebte. Und es gab einen Streetball-Court direkt gegenüber. Da habe ich als Kind häufiger gespielt. Dann kam ich in die Basketball-AG, und in der Folge habe ich immer mehr gespielt.

2018 wurdest du MVP in der Jugend Basketball Bundesliga. Ist das eine Zeit gewesen, in der große Karriereträume endgültig reiften?

Ich glaube, es war schon ein bisschen vorher klar. Wenn man jung ist, setzt man sich ja gerne ganz hohe Ziele und realisiert noch gar nicht richtig, was man dafür eigentlich alles machen muss. Der Ehrgeiz war aber schon vor dieser Zeit erwacht, sonst hätte ich vermutlich auch nicht mit dem Tennis aufgehört. (lacht)

Jetzt sitzt du hier in Oldenburg und spielst bei einem ambitionierten Bundesligisten. Deckt sich das mit dem, was du dir einst als Ziel gesetzt hast?

Wenn man sich früher Ziele gesetzt hat, dann war das natürlich immer die NBA. Also das Beste, was man haben kann. Irgendwann kommt man aber an den Punkt, an dem man sich besser einschätzen kann. Ich bin sehr froh, jetzt hier zu sein; das ist eine sehr gute Station für mich. Das Ziel an sich, irgendwann mal Euroleague oder NBA zu spielen, bleibt aber noch bestehen. Ich denke, dass ich mich in Oldenburg sehr gut weiterentwickeln und einen Schritt vorwärts machen kann.

Len Schoormann hat seinen NBA-Traum noch nicht aufgegeben. Bild: Ulf Duda/fotoduda.de

Dass der NBA-Traum auch durchaus überraschend näher rücken kann, beweist das Beispiel von Joshua Obiesie, der zuletzt bei den Houston Rockets auftauchte.

Es gibt diese Überraschungen immer wieder, vor allem, wenn man die nötige Athletik, die in der NBA eine große Rolle spielt, mitbringt.

Stichwort NBA und damit zum nächsten, was ich über dich gelesen habe: Du hast Dennis Schröder als ein Vorbild genannt.

Dennis Schröder war früher der Spieler, auf den alle geschaut haben. Ich würde aber tatsächlich nicht sagen, dass ich wirklich andere als Vorbild begreife. Es gibt ganz viele Spieler, die ich mir sehr gerne anschaue, aber ein konkretes Vorbild? Nein.

Wie intensiv verfolgst du die Nationalmannschaft, zu der du bereits gehörtest? Und wie wichtig wäre es dir, dich dort wieder hineinzuspielen?

Die Teilnahme an der Nationalmannschaft ist immer etwas Cooles! Und es macht Spaß, dem Team zuzuschauen, beispielsweise jetzt bei den Vorbereitungsspielen auf die WM. Es ist für jeden Basketballer eine Ehre, dort mitspielen zu können, vor allem, wenn es wie bei der EM oder bei der WM um etwas geht. Da will jeder hin.

Du hast in Frankfurt die ersten und Hamburg die nächsten Schritte in der Bundesliga vollzogen. Wie lief es an beiden Stationen für dich?

Ich bin dankbar, dass ich in Frankfurt spielen und mich dort die ersten Jahre über weiterentwickeln konnte. Irgendwann hat es dort aber nicht mehr ganz meinen Ansprüchen entsprochen, und so wurde ich, obwohl ich noch bei den Skyliners unter Vertrag stand, per Leihe von Hamburg aufgenommen. Ich war dort sehr froh, hätte allerdings spielerisch noch etwas mehr aus mir herauskommen können – ich hätte dort etwas mehr reißen können. Es war aber eine sehr gute Station für mich.

Mehr aus dir herauszukommen, war vermutlich auch nicht immer einfach, denn in Hamburg hattet ihr eine durchaus sehr schwere Saison. Es gab Niederlagenserien, einen Trainerwechsel: Wie schafft man es, nicht in ein tiefes mentales Loch zu geraten?

Es gibt ja immer mal einen Club, der schlechter spielt. Dabei hatten wir wirklich kein schlechtes Team! Wir haben am Anfang Spiele gewonnen, aber als wir dann in ein Loch geraten sind, war es tatsächlich schwer, da wieder herauszukommen. Man muss das als Team lösen. In diesen Momenten denkt dann jeder, gerade er muss es jetzt rausreißen – manchmal sind es aber die einfachen Dinge, die einem dort wieder heraushelfen. Das als Kollektiv zu verstehen, ist wirklich schwer.

„Ein guter Standort“: Oldenburg war für Len Schoormann vor der Vertragsunterschrift kein unbeschriebenes Blatt. Bild: Ulf Duda/fotoduda.de

Es nahm dann ja noch ein versöhnliches Ende. Wir haben es in Oldenburg in der Saison 2021/2022 ja auch erlebt: Wer hätte da vorher gedacht, dass der Club in solche Schwierigkeiten geraten könnte …

(lacht) Es ist halt Sport!

Wie kam der Kontakt nach Oldenburg zustande? Und was wusstest du bereits über den Club?

Dass Oldenburg ein guter Standort ist, das ist für jeden klar, der sich mit Basketball beschäftigt. Der Kontakt kam dann über meinen Agenten zustande, der mit mir darüber gesprochen hat, dass die EWE Baskets großes Interesse an einer Verpflichtung haben. Ich habe mit den Verantwortlichen geredet, und dann fiel die Entscheidung, in Oldenburg zu unterschreiben. Gerade auch, weil mir klar ist, dass Pedro ein Trainer ist, der einen weiterentwickeln kann. Der Club performt in der Liga immer sehr gut, und es ist prima, bei einem solchen Top-Club zu spielen.

Es spielt also schon eine gewichtige Rolle für dich, welcher Trainer dort aktiv ist, wo du spielst?

Ja, auf jeden Fall! Das Verhältnis zum Trainer muss stimmen. Du musst in den Kader passen, der Coach bestimmt schließlich alles.

Frankfurt und Hamburg sind deutlich größer als Oldenburg. Welchen ersten Eindruck hast du von deiner neuen Heimat, falls du einen solchen überhaupt schon gewinnen konntest?

Ich war schon ein bisschen früher hier und habe entsprechend auch schon einiges gesehen. Ist ganz schön hier! Ich hätte es mir aber sogar noch ein bisschen kleiner vorgestellt; es ist alles da, was man braucht.

Ihr seid jetzt seit einigen Tagen zusammen. Welchen Eindruck hast du von deinem neuen Team?

Es ist ein sehr athletisches Team. Nach so wenigen Tagen kann man tatsächlich noch nicht so viel mehr sagen, aber alle sind sehr nett, und wir werden uns bestimmt gut verstehen. Es ist natürlich toll, auf diesem athletischen Level trainieren und dabei immer bis an die Grenzen gehen kann.

Vermutlich gibt es vor dem ersten Training kein Lampenfieber, schließlich sind keine Zuschauer dabei. Aber spürst du eine gewisse Aufregung oder Anspannung, wenn es in einer neuen Mannschaft wieder von vorne losgeht?

Man freut sich natürlich, aber wirklich aufgeregt ist da vermutlich keiner. Für die meisten Spieler ist das ja nun auch nicht der erste Clubwechsel.

Trainer Pedro Calles (Mitte) mit seinen Neuzugängen Charles Manning Jr., Kyle Foster, Ebuka Izundu, Brekkott Chapman, Deane Williams und Len Schoormann (von links). Bild: Ulf Duda/fotoduda.de

Spieler stellen gerne den Teamgedanken in den Fokus. Aber: Welche persönlichen Ziele hast du bei den EWE Baskets Oldenburg? Du sprachst eben beispielsweise davon, dass du in Hamburg das Gefühl hattest, noch mehr aus dir herauskommen zu müssen.

Ich möchte zeigen, was ich kann. Und das ist mehr als das, was ich letztes Jahr gezeigt habe. Zunächst einmal muss man natürlich schauen, wie wir als Team funktionieren – und erst dann kann man sagen, an was man selbst arbeiten muss, um dem Team entsprechend zu helfen.

In welchen Bereichen deines Spiels siehst du das größte Potenzial, um noch besser oder konstanter zu werden?

Ich würde die Aggressivität in der Offense nennen. In der Defense muss sowieso jeder immer einhundert Prozent geben, das ist klar. Aber offensiv möchte ich mir mehr zutrauen, ich möchte mehr und aggressiver zum Korb ziehen.

In Frankfurt ging es zuletzt darum, die Liga zu halten – was 2023 endgültig schiefging. In Hamburg sind die Playoffs zwar wünschenswert, aber nicht selbstverständlich. In Oldenburg kommt man mit zurückhaltenden Zielen nicht unbedingt weiter, die Playoffs sind hier das Minimum. Ist das genau das, was dir als angenehme Herausforderung vorschwebt, oder verspürst du auch einen gewissen zusätzlichen Druck?

Als einzelner Spieler verspüre ich diesen Druck nicht. Letztlich wollen wir als Spieler aber ja genau das: in die Playoffs kommen und etwas erreichen. Wenn ich von Druck spreche, dann ist das ein angenehmer.

Was erwartest du von der Basketball-Weltmeisterschaft?

Deutschland kann eine gute Rolle spielen. Das Team hat eine längere Vorbereitung und hat in den letzten Spielen angedeutet, was es kann. Die Jungs kennen sich ganz gut, viele haben schon im letzten Jahr zusammengespielt. Der Kader ist gut, es ist alles drin. Spannend wird es dann in den direkten Duellen bei der WM, wenn sich die anderen Mannschaften auch besser zusammengefunden haben.


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