Torben Rosenbohm

Freier Journalist und Autor aus Oldenburg

Schlechtes Timing und gute Momente: EWE Baskets feiern erfolgreichen Saisonauftakt

Es hätte ein großer Moment in der EWE Arena werden können. Die EWE Baskets Oldenburg hatten im Heimspiel gegen den SYNTAINICS MBC ihren Gästen just das Spielgerät entwendet und einen Fastbreak gestartet, augenscheinlich eines der Markenzeichen der neuen Spielanlage. Nicholas Tischler hatte jetzt vergleichsweise freie Bahn in Richtung des gegnerischen Korbs, doch mit einem „behind-the-back“-Pass wollte er seinen Teamkollegen Demajeo Wiggins (Foto oben: Ulf Duda) noch spektakulärer in Szene setzen. Der Center scheiterte allerdings beim Abschluss, Zach Ensminger hielt den Schaden in Grenzen und wurde nach einem Offensivrebound gefoult.

Ein Fauxpas mit Folgen.

Oldenburgs Headcoach Milenko Bogicevic wechselte Tischler unmittelbar aus und setzte zu einem sehr einseitigen Staredown-Wettbewerb an. Der Serbe war offenkundig wenig erfreut über die Entscheidung des zweimaligen deutschen Nationalspielers und benötigte eine Weile, bevor er sich wieder beruhigte – zumal Ensminger hernach auch noch beide Freiwürfe daneben warf. Der Furor des Übungsleiters war gewiss dem Umstand geschuldet, dass die Szene eben nicht in einer Phase der Vorentscheidung passiert war, sondern in einem durchaus kritischen Moment, in dem die komfortable Halbzeitführung dezent zu schmelzen drohte.

In der Folge hatte Bogicevic allerdings wieder ausreichend Anlass, um sein Personal zu loben. Die Oldenburger fuhren einen deutlichen 96:81-Auftaktsieg in der easyCredit Basketball Bundesliga ein. Nach dem Erfolg in der ersten Runde des Netto BBL Pokals war es der zweite erfreuliche Arbeitstag der neuen Saison; keine Selbstverständlichkeit nach einem Sommer der tiefgreifenden Veränderungen auf und neben dem Spielfeld.

Drei Faktoren fielen am Sonntagnachmittag in der EWE Arena besonders auf:

  1. Das Team verteilte die Verantwortung auf viele Schultern. Gleich fünf Akteure punkteten zweistellig, zwei weiteren fehlten dafür nur zwei (Marcel Keßen) bzw. drei Zähler (Zach Ensminger). Der Ball wurde ausgiebig verteilt, der Blick für den besser postierten Nebenmann war allen Akteuren auf dem Parkett deutlich wichtiger als die Pflege der eigenen Statistik. Für starke individuelle Zahlen war am Ende dennoch Platz; so erzielten sowohl Jeremy Roach (16 Punkte, 11 Assists) als auch Demajeo Wiggins (14 Punkte, 10 Rebounds) Double-Doubles.

  2. Es wurde hart gearbeitet. Generell überzeugten die Oldenburger durch eine leidenschaftliche Defensive, die es den Gästen oft schwer machte, zu brauchbaren Abschlüssen zu kommen – wenngleich die eine oder andere Lücke unverkennbar war, was aber dem frühen Zeitpunkt der Saison geschuldet sein durfte. Und vor allem hinsichtlich der Rebounds, ein großes Sorgenthema der Vorsaison, lässt sich festhalten: Jeder Spieler tut alles, um sich abprallende Bälle zu sichern.

  3. Die Spieler zeigen Emotionen. Wie sich beispielsweise Wiggins unter den Körben nach leidenschaftlichen Duellen mit den Big Men der Weißenfelser selbst pushte oder wie Tylan Pope zu Werke geht, kam verständlicherweise gut an auf den Rängen, die nach der Kapazitätserweiterung erstmals 6.500 Fans Platz boten.
Harte Arbeit wurde am Ende belohnt: Die EWE Baskets sind mit einem Sieg in die Liga gestartet. (Foto: Ulf Duda)

Es konnte dann nicht überraschen, dass man nach der Schlusssirene viel Positives über den Auftritt der EWE Baskets hörte. Zumal dem Team sogar noch zwei wichtige Spieler fehlten: Der verletzte Le’Tre Darthard, von Headcoach Bogicevic hoch geschätzt, wird in den kommenden Wochen in die Mannschaft zurückkehren, während der nachverpflichtete Stefan Momirov am kommenden Wochenende sein Debüt feiern könnte.

Dass jetzt alles rasch wieder gut wird nach mehreren durchwachsenen bis enttäuschenden Saisons in Serie, wäre nach erst einem von 34 Hauptrundenspielen eine allzu kühne These. Dass dieser Kader aber das Potenzial besitzt, den Oldenburgern wieder mehr positive Erlebnisse zu bescheren, lässt sich wagnisfrei prognostizieren. Und für spektakuläre Abschlüsse abseits der taktischen Vorgaben wird zukünftig gewiss auch Platz sein – dann aber in den passenden Momenten.


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Zu meinem Basketball-Background: Als wenig erfolgreicher Spieler hatte ich lange Zeit großes Interesse am aktiven Tun, allerdings beschränkt sich meine Liebe zu diesem Sport inzwischen auf die Besuche in den Hallen und Arenen und die entsprechende Arbeit an der Tastatur. Von 2004 bis 2014 habe ich die Medien- und Öffentlichkeitsarbeit der EWE Baskets Oldenburg geleitet, seitdem beschäftige ich mich mit dem Club im Speziellen und dem Basketball im Allgemeinen als freier Journalist – unter anderem als redaktioneller Mitarbeiter für die easyCredit Basketball Bundesliga, die Nordwest-Zeitung oder als gelegentlicher Experte am Mikro bei den EWE Baskets oder in diesem Blog. Für die Dauer der Saison 2025/26 bin ich als PR Manager (in Teilzeit) vorübergehend zum Club zurückgekehrt. Was ich sonst noch so mache: hier entlang.