101 lange Tage mussten die Fans der EWE Baskets Oldenburg warten, bis der Basketball-Bundesligist nach dem letzten Spiel der vorangegangenen Saison wieder für eine Partie auf dem Parkett stand. Am 10. Mai endete eine turbulente und in der finalen Bilanz enttäuschende Spielzeit 2025/26 mit einem 67:77 beim FC Bayern Basketball, und irgendwie war man fast froh, dass die Saison ohne Play-In-Lotterie zu einem Abschluss kam.
Am Mittwochabend nun präsentierte sich die auf fast allen Kaderpositionen neu aufgestellte Mannschaft gegen Phoenix Hagen erstmals ihren Fans, oder besser: einem kleinen Kreis an Fans, denn das schmucke Rickey Paulding Junior Center bietet offiziell leider nur exakt 199 Zuschauern Platz. Logisch, dass die Tickets rasch vergeben waren.
Die Vorfreude beim Publikum war greifbar, wenngleich das interessierte Beobachten verständlicherweise im Vordergrund stand. Auf den ersten Auftritt des neuen Headcoaches musste derweil verzichtet werden, denn Milenko Bogicevic, der auf den nach Aserbaidschan abgewanderten Lazar Spasic folgte, hielt sich aus privaten Gründen in seiner serbischen Heimat auf. Er wird kurzfristig noch vor der Abreise ins Trainingslager zurückerwartet. Für ihn übernahm Assistent Franjo Borchers das Kommando.
Auf Bogicevic wartet in jedem Fall noch einiges an Arbeit, das zeigte der unterhaltsame Mittwochabend. Was wiederum auch niemanden überraschen kann, denn das Team ist erst seit vergleichsweise kurzer Zeit zusammen. Immerhin acht neue Akteure tummeln sich im festen Zehner-Kader, der im Testspiel gegen Hagen durch Joel Harms und Johann Helwig aufgestockt wurde.
Was der Abend allerdings auch zeigte, ist die Richtung, in die die EWE Baskets Oldenburg in der Saison 2026/27 marschieren wollen.
Beobachtung eins: Die Spieler waren durchgehend darauf aus, den Druck auf die Gegner hochzuhalten und diese zu Fehlern zu zwingen. Einfach dürfte es kaum jemand haben, gegen diese Oldenburger zu spielen. Dass hier noch längst nicht alles glattlief, war ebenso zu erkennen – gelegentlich fand der Aufsteiger dann doch allzu leicht eine Lücke.
Beobachtung zwei: In der Offensive setzt das Team auf ein enormes Tempo, das gegnerische Verteidigungen regelmäßig überfordern könnte. Daran können sich nahezu alle Spieler beteiligen.
Beobachtung drei: Der Ball wird selbstlos verteilt, offensiv strahlen viele Akteure permanente Gefahr aus. Auch hier wird mit fortschreitender Vorbereitungszeit noch einiges an Möglichkeiten hinzukommen.
Mit Blick auf einzelne Akteure stach der eine oder andere heraus. So hinterließ Le’Tre Darthard an beiden Enden des Feldes einen exzellenten Eindruck. Gelegentlich hatte sein Gegenspieler gerade erst bemerkt, dass der Ball beim US-Amerikaner gelandet war, als das Spielgerät sich schon auf dem Weg zum Korb befand. Jeremy Roach deutete unterdessen an, dass er zu den besseren Point Guards der easyCredit BBL zählen kann. Wenngleich ihm längst nicht alles glückte, bestach er durch Übersicht, feine Pässe und die Fähigkeit, in engen Momenten selbst fintenreich zum Abschluss zu kommen. Und Tylan Pope dürfte der Sprung von der ProA in die Beletage glücken, seine Physis ist beeindruckend. Bei seinem unwiderstehlichen Zug zum Korb werden sich Big Men anderer Teams regelmäßig blaue Flecken holen.
Aufseiten derer, die am Mittwoch mit einigen Problemen zu kämpfen hatten, standen vor allem Nicho Tischler und Demajeo Wiggins. Tischler wirkte nicht gänzlich in die Partie involviert, Wiggins mühte sich in seinen fast 14 Minuten Spielzeit, musste aber mit fünf Fouls vorzeitig vom Parkett.
Fazit: Es war ein aufschlussreicher Test, der das große Potenzial andeutete und dem Trainerteam, das an diesem Abend durch Mladen Drijencic ergänzt wurde, ausreichend Inhalte für die kommenden Trainingseinheiten lieferte. Ein Ergebnis gab es natürlich auch: Man trennte sich 83:83. Der Fahrplan der kommenden Tage sieht so aus: Am Samstag gastieren die EWE Baskets zu einem nicht öffentlichen Test bei RASTA Vechta, am Montag erfolgt die Abreise ins Trainingslager nach Zlatibor.
Foto: EWE Baskets Oldenburg
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Zu meinem Basketball-Background: Als wenig erfolgreicher Spieler hatte ich lange Zeit großes Interesse am aktiven Tun, allerdings beschränkt sich meine Liebe zu diesem Sport inzwischen auf die Besuche in den Hallen und Arenen und die entsprechende Arbeit an der Tastatur. Von 2004 bis 2014 habe ich die Medien- und Öffentlichkeitsarbeit der EWE Baskets Oldenburg geleitet, seitdem beschäftige ich mich mit dem Club im Speziellen und dem Basketball im Allgemeinen als freier Journalist – unter anderem als redaktioneller Mitarbeiter für die easyCredit Basketball Bundesliga, als gelegentlicher Experte am Mikro bei den EWE Baskets oder in diesem Blog. Für die Dauer der Saison 2025/26 bin ich als PR Manager (in Teilzeit) vorübergehend zum Club zurückgekehrt. Was ich sonst noch so mache: hier entlang.