Es waren nicht einmal zwei Minuten, in denen die Saison der EWE Baskets Oldenburg am Samstagabend einen düsteren Tiefpunkt erlebte. Zunächst zog sich Tylan Pope den Unmut aller zu, die es nicht mit den Oldenburgern hielten. Der Forward der Niedersachsen hatte den Ulmer Meissa Faye rustikal bis rücksichtslos gefoult und durfte letztlich froh sein, dass bei seinem Gegenspieler hernach noch alle Körperteile dort saßen, wo sie naturgemäß hingehören.
Am Rande des Spielfelds entwickelte sich in der Folge ein von den Dyn-Kameras nur leidlich eingefangener Disput zwischen den beiden Headcoaches. Am Ende einer veritablen Rudelbildung wurden sowohl Ulms Ty Harrelson als auch Oldenburgs Milenko Bogicevic, die sich Stirn an Stirn verbal austauschten, vorzeitig aus ihrem Arbeitstag entlassen und in die Kabinen verwiesen. Es wurde dann noch unappetitlicher, als Pope die zaghafte Flamme der Gäste-Hoffnungen auf eine Wende im Spiel jäh beendete: Mit einem Kopfstoß gegen Michael Rataj verdiente sich der US-Amerikaner nach kurzem Videostudium eine Disqualifikation durch die Referees.
Man muss kein gewiefter Analytiker sein, um zu behaupten: Es läuft nicht rund bei den EWE Baskets.
Dabei hatte die Saison 2026/27 hoffnungsvoll angefangen. Ein Pokalerfolg in Heidelberg, drei Auftaktsiege in der easyCredit BBL: Der Neubeginn ließ frohlocken, das gesteckte Ziel der Playoff-Qualifikation erschien vollauf berechtigt.
Dann kam kurzfristig einiges anders als erwünscht. Während Neuzugang Le’Tre Darthard schon vor dem ersten Pflichtspiel verletzt ausfiel, zogen sich nacheinander weitere Akteure Blessuren zu. Zuletzt fehlten in Darthard, Ja’Qualyn Gilbreath, Nate Johnson und Nicholas Tischler vier Akteure gleichzeitig; ein regulärer Trainings- und Spielbetrieb ist bei dieser Ballung an Ausfällen nur eingeschränkt möglich.
Die Folgen der Kaderlücken bekamen die Oldenburger auf dem Spielfeld zu spüren. Im Pokal zogen sie gegen Bonn den Kürzeren, in der Liga gingen die Spiele gegen München, Hagen, Bamberg und Ulm verloren. Beim Spiel am vergangenen Samstag gab immerhin Darthard sein Debüt, doch gegen keinesfalls überzeugende Ulmer boten die EWE Baskets eine enttäuschende Vorstellung, die sie im Klassement zunächst einmal aus den Postseason-Plätzen herausbeförderte.
Mit Blick auf das bisher Gebotene lässt sich mutmaßen: Die Oldenburger sind keinesfalls so stark wie zum Saisonstart und gleichzeitig auch nicht so schlecht, dass sie nun einfach immer weiter verlieren. Aber es beschleicht einen bei objektiver Betrachtung schon die Befürchtung, dass sie möglicherweise erneut im grauen Mittelmaß steckenbleiben. Ein Zustand, aus dem sie der Reset mit neuem Trainer und überwiegend neuem Personal auf dem Parkett eigentlich herausholen soll.
Für einen Abgesang ist es derweil viel zu früh. Erst sieben Spiele sind absolviert, nach und nach werden die noch Verletzten ins Team zurückkehren. Die Ausgangslage ist allerdings deutlich komplizierter als nach Spieltag drei, denn die zunächst positive Stimmung rund ums Team hat am Samstag einen hässlichen Dämpfer erfahren. Und auch das Programm der Wochen bis zur Länderspiel-Unterbrechung hält knifflige Herausforderungen bereit: Es geht nach Ludwigsburg und zu Hause gegen Berlin und Frankfurt.
Die zu erwartende Sperre gegen Pope macht die Sache nicht leichter, zumal auch im momentan einsatzfähigen Teil der Mannschaft individuell viel Luft nach oben besteht. Neuzugang Stefan Momirov steht bei 12,5 Prozent Dreierquote, Marcel Keßen kam in Ulm auf null Punkte. Dem Team steht eine echte Charakterprüfung bevor, denn Niederlagenserien hinterlassen bekanntlich unweigerlich Spuren.
Ins trübe Bild des Herbstes, der in der vergangenen Saison einen Zwischenaufenthalt im tiefsten Tabellenkeller bereithielt, passt ein Blick hinüber zum ProB-Team: Die Drittliga-Vertretung der Oldenburger, die aktuell keinen ernsthaften Kandidaten für relevante (und eigentlich dringend benötigte) Aushilfsminuten in der BBL bereithält, ist mit einer Bilanz von 0-6 in die Saison gestartet.
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Zu meinem Basketball-Background: Als wenig erfolgreicher Spieler hatte ich lange Zeit großes Interesse am aktiven Tun, allerdings beschränkt sich meine Liebe zu diesem Sport inzwischen auf die Besuche in den Hallen und Arenen und die entsprechende Arbeit an der Tastatur. Von 2004 bis 2014 habe ich die Medien- und Öffentlichkeitsarbeit der EWE Baskets Oldenburg geleitet, seitdem beschäftige ich mich mit dem Club im Speziellen und dem Basketball im Allgemeinen als freier Journalist – unter anderem als redaktioneller Mitarbeiter für die easyCredit Basketball Bundesliga, die Nordwest-Zeitung oder als gelegentlicher Experte am Mikro bei den EWE Baskets oder in diesem Blog. Für die Dauer der Saison 2025/26 bin ich als PR Manager (in Teilzeit) vorübergehend zum Club zurückgekehrt. Was ich sonst noch so mache: hier entlang.