Torben Rosenbohm

Freier Journalist aus Oldenburg

Manchmal kommen sie wieder: Ex-Oldenburger an der Seitenlinie

Seit dem Jahr 2000 wird in Oldenburg ununterbrochen Erstliga-Basketball gespielt. Nach dem Aufstieg gingen die Niedersachsen noch ein Jahr lang als Oldenburger Turnerbund auf Punktejagd, anschließend als EWE Baskets Oldenburg.

Bemerkenswert kurz ist die Liste der Headcoaches, die in dieser Zeit für die Geschicke der Profis verantwortlich zeichneten. Auf den Aufstiegstrainer Dr. Ivan Vojtko folgte 2001 Anthony Taylor, auf die Ära von Don Beck (ab 2002) folgte die Ära von Predrag Krunic (2007 bis 2012) – inklusive Meisterschaft. Sebastian Machowski übernahm im Jahr 2012, drei Jahre später beerbte ihn Mladen Drijencic. Der blieb bis Anfang 2022 (und holte in dieser langen Zeit 2015 den Deutschen Pokal), bevor Ingo Freyer die Oldenburger vor dem Abstieg bewahrte. Seit einer Saison ist der Spanier Pedro Calles Trainer der EWE Baskets, sein Vertrag läuft bis 2025.

Jeweils nur kurzzeitig wurde Jens Brämer (2001, ein Spiel), Nenad Josipovic (2002), Ralph Held (2012) und Alen Abaz (2022) die Verantwortung übertragen.

In der bevorstehenden Saison 2023/2024 werden mindestens vier dieser ehemaligen Headcoaches der EWE Baskets in höchster Verantwortung an der Seitenlinie aktiv sein: Predrag Krunic (SYNTAINICS MBC, easyCredit Basketball Bundesliga), Sebastian Machowski (PGE Spójnia Stargard, Polen), Don Beck (Gladiators Trier, ProA) und Mladen Drijencic (medi bayreuth, ProA). Hinzukommt Ralph Held als Assistenztrainer bei den ROSTOCK SEAWOLVES (easyCredit BBL).

Für zwei von ihnen heißt es: willkommen zurück. Denn Don Beck und Predrag Krunic waren über einen sehr langen (Beck) beziehungsweise längeren (Krunic) Zeitraum in Asien aktiv. Mladen Drijencic hingegen hatte bereits in der Vorsaison einen Vertrag in Bayreuth unterzeichnet, konnte das – tief in den Tabellenkeller abgerutschte – Team allerdings nicht mehr vor dem Abstieg bewahren. Machowski wiederum erlebte eine erfolgreiche Saison in Polen und bleibt seinem Club als Trainer treu.

Zugegeben: Die Nachricht von der Rückkehr Don Becks kam dann doch überraschend. Der US-Amerikaner, der Anfang Juni seinen 70. Geburtstag feierte, war zwölf Jahre lang in Japan aktiv und damit weitgehend vom Radar der deutschen Basketballfans verschwunden. Für ihn ist die Unterschrift in Trier verbunden mit einem Wechsel zurück zu seinen Wurzeln, denn von 1994 bis 2001 war er dort bereits als Headcoach tätig. Und wie: Trier gewann unter seiner Regie gleich zweimal den Deutschen Pokal und etablierte sich als feste Größe in der Basketball-Bundesliga.

In Oldenburg hievte er den Club ab 2002, nach den beiden vorangegangenen Jahren im Zeichen des Kampfs um den Klassenerhalt, auf ein neues Level. Die EWE Baskets wurden unter Beck vier Saisons lang zu einem Stammgast in den Playoffs, wenngleich nie der Sprung ins Halbfinale gelang. 2003 schieden die Oldenburger gegen Braunschweig aus, 2004 und 2005 gegen Bamberg und 2006 gegen Berlin.

2006/2007 schließlich kam die Ära des gebürtigen New Yorkers an ihr Ende: Oldenburg verpasste als Neunter die Playoffs, die Trennung vom Headcoach mit der bis hier längsten Amtszeit war die Folge.

2023/2024, und damit satte 16 Jahre nach seinem letzten Auftritt als Trainer in Deutschland, wird Don Beck in Trier den Versuch unternehmen, sich wieder nachhaltig in Erinnerung zu rufen. Der ambitionierte Club von der Mosel hat übrigens bereits zwei Spieler mit Oldenburger Vergangenheit unter Vertrag genommen: Haris Hujic und Marko Bacak.

Mladen Drijencic bleibt Trainer bei medi bayreuth. Bild: Ulf Duda/fotoduda.de

In der ProA, Deutschlands zweithöchster Spielklasse, trifft Beck in der kommenden Saison unter anderem auf den Trainer, der den Rekord für die längste Periode an der Seitenlinie in Oldenburg hält: Mladen Drijencic. Der 57-Jährige hat bei medi bayreuth einen neuen Vertrag erhalten und soll den Bundesliga-Absteiger nach einem enttäuschenden Jahr sportlich wieder auf ein stabiles Fundament stellen.

Drijencic war im Frühjahr 2015 zum Headcoach der EWE Baskets Oldenburg befördert worden. In wackeliger Ausgangslage gelang es ihm, der zuvor seit 2010 als Nachwuchstrainer an der Hunte aktiv war und eine ProB-Meisterschaft feiern konnte, kurz nach seiner Amtsübernahme, vor heimischem Publikum den Deutschen Pokal zu gewinnen. Was für ein Auftakt!

In den Playoffs waren die EWE Baskets gegen ALBA chancenlos, doch im Anschluss verbuchte Drijencic mit den Oldenburgern viele gute Ergebnisse; unter anderem wurden die Donnervögel 2017 Vizemeister und zogen 2019 und 2020 ins Halbfinale ein. Auf den Hauptrundenplatz drei und das Aus gegen Ulm 2021 folgte das, was man wohl einen sportlichen Kollaps nennen muss: Eine neu aufgestellte Mannschaft taumelte von Niederlage zu Niederlage, Drijencic musste seinen Platz im Januar 2022 räumen.

In der vergangenen Saison verpflichtete ihn medi bayreuth in schwieriger (rückblickend muss man konstatieren: aussichtsloser) Situation. Zwar hauchte er den Franken neues Leben ein, doch der Abstieg in die ProA war nicht mehr zu vermeiden. In der kommenden Saison wird Mladen Drijencic weiterhin in Bayreuth aktiv sein, die Rückkehr ins Oberhaus wird angesichts der stetig wachsenden Qualität in der zweiten Liga allerdings gewiss kein Selbstläufer …

Der Trainer, dem Drijencic einst in Oldenburg folgte, ist derweil im Ausland unter Vertrag: Sebastian Machowski. Der hat in den vergangenen Jahren eine Menge erlebt. Nach seinem vorzeigen Aus in Oldenburg folgte zunächst ein Engagement bei den Eisbären Bremerhaven, bevor es ihn nach China, Polen, erneut China, Frankreich und zuletzt wieder Polen zog. Dort führte er seinen Club PGE Spójnia Stargard in der Saison 2022/2023 in die Playoffs, im Sommer wird er dorthin zurückkehren und seine Tätigkeit fortsetzen.

In Oldenburg hatte Machowski, damals aus Braunschweig kommend, rasch für Aufsehen gesorgt. In seiner ersten Saison wurden die EWE Baskets nicht nur 2013 Hauptrundenzweiter und Vizemeister, sondern erreichten auch das Finalturnier in der EuroChallenge, das mit dem dritten Platz abgeschlossen wurde. 2014 folgten Platz drei nach der regulären Saison und der Sprung ins Playoff-Halbfinale. Im Frühjahr 2015 allerdings war seine Zeit in Oldenburg vorzeitig beendet. Es folgte: Mladen Drijencic.

Predrag Krunic holte 2009 mit Oldenburg die Meisterschaft, jetzt kehrt er zum MBC zurück. Bild: Ulf Duda/fotoduda.de

Vierter im Bunde der ehemaligen Trainer der EWE Baskets ist Predrag Krunic. Mit seinem Namen für ewig verbunden bleibt der Gewinn der Deutschen Meisterschaft 2009. Krunic war 2007 nach Oldenburg gekommen und hatte unter anderem einen gewissen Rickey Paulding nach Oldenburg gelockt. In seiner ersten Saison wurden die Huntestädter Hauptrunden-Fünfter und erreichten das Halbfinale, 2009 gingen sie als Dritter in die Playoffs, räumten zunächst Frankfurt und Bamberg aus dem Weg und setzten sich schließlich in einer dramatischen Finalserie gegen die Telekom Baskets Bonn durch (3:2). Ein Eintrag in die Oldenburger Basketball-Geschichte? Check.

In der Folgesaison setzte sich die Erfolgsserie zunächst noch fort, doch auf den ersten Platz nach der regulären Saison konnten die Oldenburger nicht lange stolz sein – gegen Braunschweig hieß es im Viertelfinale 1:3. Trainer beim Gegner: Sebastian Machowski. Als in der Saison 2011/2012 die Ergebnisse gar nicht mehr stimmten, wurde Krunic entlassen, sein Assistent Ralph Held übernahm bis zum Ende der Spielzeit. Für die Playoffs reichte es nicht mehr. Übrigens: Heute ist Held Assistenztrainer bei den ROSTOCK SEAWOLVES, an der Seite seines Sohnes Christian – der in Oldenburg zum Trainer ausgebildet wurde und den Club aus Mecklenburg-Vorpommern souverän zum BBL-Klassenerhalt führte.

Zurück zu Predrag Krunic. Der ist wieder da, oder besser: zurück in Deutschland. Nach Jobs in Bayreuth, Polen, Weißenfels, Russland und zuletzt Japan übernimmt er zum zweiten Mal den Trainerposten beim MBC. Der Club aus Weißenfels kämpfte in der Vorsaison lange um den Klassenerhalt, der letztlich unter dem nachverpflichteten Ingo Freyer gelang. Der wiederum rettete zum zweiten Mal in Serie einen Bundesligisten vor dem Zweitliga-Abstieg – und wurde zum zweiten Mal in Folge nicht mit einem Anschlussvertrag belohnt. Ob er als fünfter Ex-Oldenburger auch 2023/2024 irgendwo an der Seitenlinie stehen wird? Zu wünschen wäre es ihm allemal.

Ingo Freyer rettete 2022 die EWE Baskets vor dem Abstieg, 2023 den SYNTAINICS MBC – aktuell hat er noch keinen neuen Club gefunden. Bild: Ulf Duda/fotoduda.de

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