Torben Rosenbohm

Freier Journalist aus Oldenburg

Blick über den Basketball-Tellerrand: Ein neues Stadion, aber (noch) keine neue Liga

Als Kind erlebte ich irgendwann zum ersten Mal die Faszination, die von einem Besuch im Fußballstadion ausgeht. Mein Vater hatte mich zu einem Spiel des VfB Oldenburg nach Donnerschwee, oder besser: in die Hölle des Nordens, mitgenommen. Irgendwann gab es einen Elfmeter für die Gastgeber, mein Vater nahm mich auf den Arm, um mir einen perfekten Blick auf das Geschehen zu ermöglichen. Anlauf, Schuss, Tor: Der Rest war pure Ekstase um mich herum, zu einer dauerhaften und uneingeschränkten Begeisterung für den Fußball im Allgemeinen und den VfB im Speziellen reichte es aber damals zunächst noch nicht.

Das folgte dann etwas später, als die Besuche im altehrwürdigen Stadion mit seiner unglaublichen Dichte immer häufiger wurden, der Status als bloßer Besucher hin zum Fan wechselte und die Beschäftigung mit den Blau-Weißen immer mehr Raum einnahm. Wehmütig stand ich später beim letzten Spiel des Vereins in Donnerschwee auf der Tribüne, der Umzug ins Marschwegstadion war eine wirtschaftliche Notwendigkeit und wurde von mir mehr oder minder resignativ akzeptiert. War halt leider nicht zu ändern, allen lautstarken Protesten und Rettungsversuchen für das alte Stadion zum Trotz. Der legendäre Platz ist längst überbaut: Wo einst den Gegnern regelmäßig die Knie schlotterten, greift man heute ins Supermarktregal.

Back in those times: Das legendäre Stadion in Donnerschwee hatte einen ganz speziellen Reiz. Foto: Artur Kast (Oldenburger Medienarchiv/Werkstattfilm e.V.)

Zweimal erlebte ich die zumindest in meiner Erinnerung ganz großen Höhepunkte des VfB dann mit: Das Auswärtsspiel 1992 beim SV Meppen, mitten unter Tausenden von Oldenburgern, die das 2:0 beim Derbyrivalen feierten, während Bayer Uerdingen parallel ein schmuckloses 0:0 auf St. Pauli einfuhr und „uns“, wie ich es damals verstand, die einmalige Chance auf den Aufstieg verwehrte.

1996 wiederum meldete sich der VfB noch einmal mit Macht zurück, das legendäre Aufstiegsspiel gegen Tennis Borussia Berlin bleibt mir mit einer Szene für immer im Gedächtnis – als ein Elfmeter der Gäste, die nach einem Treffer von Oldenburgs Alexander Woloschin der Verlängerung 1:2 zurücklagen, an den Pfosten klatschte (Schiedsrichter Markus Merk hatte dem ersten Versuch, der im Tor landete, seine Anerkennung verweigert). Willkommen zurück in Liga zwei. Es wurde ein kurzes Gastspiel.

Parallel dazu hatte ich längst auch den Basketball für mich entdeckt, und in der Folge passierte das, was für so unglaublich viele Oldenburger gilt: Der VfB wurde immer seltener besucht, die Ergebnisse irgendwie zwar noch verfolgt, aber mehr oder minder auch nur noch zur Kenntnis genommen. Eine Art Entfremdung hatte eingesetzt, die vielen Tiefpunkte und Rückschläge des Vereins bis hin zum zwischenzeitlichen Absturz in die Fünftklassigkeit wurden irgendwann zu einer Normalität, nicht selten zynisch (auch von mir!) kommentiert.

2022/2023 spielte der VfB schließlich wieder auf der großen Bühne des Profifußballs mit, nicht zuletzt die Begeisterung rund um das entscheidende Aufstiegsspiel gegen den BFC Dynamo deutete einmal mehr das Potenzial an, dass dieser Sport in Oldenburg hat. Wobei: In Deutschland hat wohl jeder Ort das Zeug zur „Fußballstadt“, denn – daran kann es keinen Zweifel geben – die Strahlkraft des Fußballs leuchtet deutlich heller als die aller anderen Sportarten. Der VfB war wieder da, wenngleich die Dritte Liga sich als zu große Hürde darstellte.

Die große Liebe hat sich zwischen den VfB-Fans und dem Marschwegstadion nie eingestellt. Foto: Günther Rojahn

Mit der Entscheidung, in Oldenburg ein neues Fußballstadion zu bauen, wurden jetzt die Sehnsüchte und Träume derer erfüllt, die sich in den vielen Jahren der sportlichen und wirtschaftlichen Durststrecke eben nicht von diesem Verein entfernt haben. Man kann ahnen, was dieser Schritt für sie bedeutet. Nun wird es überaus spannend sein, die weitere Entwicklung zu verfolgen. Wann ist tatsächlich Baustart? Wann findet das erste Spiel in der neuen Heimat – jetzt wieder in Donnerschwee – statt?

Und vor allem: In welcher Liga spielt der VfB dann?

Aktuell ist der Verein in der viertklassigen Regionalliga Nord zu Hause. Im ersten Jahr nach dem direkten Wiederabstieg aus dem Profibereich sorgte vor allem ein unterdurchschnittlicher Saisonstart dafür, dass die Lücke zu den vorderen Plätzen irgendwann zu groß wurde. Für die kommenden Jahre muss es für diesen 1897 gegründeten Verein darum gehen, sportlich und organisatorisch mit der Entstehung der neuen Arena Schritt zu halten. Eine große Aufgabe für die Oldenburger.

Ich werde auch in Zukunft in diesem Blog vornehmlich den Oldenburger Basketball begleiten, aber auch regelmäßig einen Blick auf die Geschehnisse in der direkten Nachbarschaft der EWE Arena werfen (Foto ganz oben: Torsten von Reeken). Und schauen, ob Stadion und Verein im Gleichschritt wachsen. All die Diskussionen, die es verständlicherweise gab und weiter geben wird, einmal kurz ausblendend, sage ich als Fußballfan: Ich freue mich auf diese neue Spielstätte. Wenngleich ich meine Zweifel, ob diese millionenschwere Entscheidung in dieser Form tatsächlich die richtige ist, noch nicht gänzlich beiseite geräumt habe.


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Zu meinem Basketball-Background: Als wenig erfolgreicher Spieler hatte ich lange Zeit großes Interesse am aktiven Tun, allerdings beschränkt sich meine Liebe zu diesem Sport inzwischen auf die Besuche in den Hallen und Arenen und die entsprechende Arbeit an der Tastatur. Von 2004 bis 2014 habe ich die Medien- und Öffentlichkeitsarbeit der EWE Baskets Oldenburg geleitet, seitdem beschäftige ich mich mit dem Club im Speziellen und dem Basketball im Allgemeinen als freier Journalist – unter anderem für die easyCredit Basketball Bundesliga oder in diesem Blog. Was ich sonst noch so mache: hier entlang.